Rund jede zweite Person in Tirol engagiert sich freiwillig – und etwa die Hälfte davon sind Frauen. Unterschiede zeigen sich jedoch darin, wie dieses Engagement aussieht: Die formelle, organisierte Freiwilligenarbeit in Vereinen und Organisationen ist männlich geprägt (42 Prozent Frauen, 58 Prozent Männer). Frauen engagieren sich hingegen häufiger in informellen freiwilligen Tätigkeiten. Das Ungleichgewicht setzt sich bei Leitungsfunktionen im Ehrenamt fort: Rund 70 Prozent haben Männer inne, nur rund 30 Prozent Frauen. Das hat zur Folge, dass die Leistungen von Frauen oft unsichtbar bleiben – nur rund ein Drittel der Auszeichnungen des Landes Tirol wird an Frauen vergeben.
Diese Schieflage hat einen strukturellen Grund, wie Frauenlandesrätin Eva Pawlata erklärt: „Sichtbarkeit hängt nicht nur von der eigenen Entscheidung ab, sondern auch von den Umständen. Dass Frauen im Ehrenamt vielfach im Hintergrund stehen, ist ein Ausdruck bestehender Geschlechterungleichheiten.“ Historisch gewachsene Strukturen gehen mit unterschiedlichen Zugängen und Möglichkeiten für Frauen und Männer einher. Dazu kommen bei der ungleichen Besetzung repräsentativer und leitender Funktionen ebenso Rollenbilder und Stereotype wie die ungleiche Verteilung von Care-Arbeit und Erwerbsarbeit.
Care-Arbeit ≠ Ehrenamt
Frauen engagieren sich im Ehrenamt häufig in care-nahen Tätigkeiten. Umso wichtiger ist es, Ehrenamt klar von unbezahlter Haus- und Sorgearbeit für Kinder und pflegebedürftige Angehörige zu unterscheiden. Rund 70 Prozent der unbezahlten Care-Arbeit leisten übrigens Frauen. Sie verbringen in Tirol im Schnitt rund 4,25 Stunden pro Tag mit Sorgearbeit in Haus und Familie, Männer 1,55 Stunden (Quelle: Statistik Austria). Was die unbezahlte Arbeit im Rahmen von Freiwilligenarbeit betrifft, zeigt der Gleichstellungsbericht, dass auch hier Frauen mit 29 Minuten täglich mehr Zeit aufwenden als Männer mit 19 Minuten. „Eine gerechte Verteilung von Zeit bringt mehr Lebensqualität für alle und ermöglicht es Frauen und Männern gleichermaßen, Verantwortung zu übernehmen – im Ehrenamt, im Beruf und in der Familie“, ist LRin Pawlata überzeugt.Frauen im Ehrenamt
Im organisierten Ehrenamt ist der Frauenanteil in den Bereichen Religion und Kirche (60 Prozent), Soziales und Gesundheit (57 Prozent) sowie Flüchtlingshilfe (55 Prozent) am höchsten. Bei informellen freiwilligen Tätigkeiten engagieren sich Frauen vor allem in der Betreuung und dem Besuch pflegebedürftiger Personen, in der Kinderbetreuung sowie in der Hilfe in Haushalten. (Quelle: Gleichstellungsbericht Tirol)Für mehr Sichtbarkeit: Tiroler Frauenpreis
Der Tiroler Frauenpreis würdigt das Wirken von Frauen in allen gesellschaftlichen Bereichen, die zur Gleichstellung in Tirol beitragen. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert und wird seit 2024 einmal jährlich vergeben.Wen nominieren?
Frauen, die Diskriminierung und Ungerechtigkeiten sichtbar machen, Sexismus benennen, stereotype Rollenbilder aufbrechen und andere Frauen und Mädchen stärken, unterstützen und ermutigen, ihren eigenen Weg zu gehen.
So geht’s:
Nominierungen können mit Formular und einer kurzen, aussagekräftigen Begründung per E-Mail an die Landesabteilung Gesellschaft und Arbeit unter gesellschaft.arbeit@tirol.gv.at übermittelt werden. Die Richtlinie sowie das Formular finden Sie unter: www.tirol.gv.at/frauenpreis
Noch bis 1. März sind Nominierungen für den Frauenpreis 2026 möglich.