12. Juli 2021

Tirols Almen – Kraftplatz für Tier und Mensch

Beitrag teilen
Sommerzeit ist Almzeit – für über 200.000 Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde sowie für unzählige Naturund Sportbegeisterte aus Nah und Fern. Für ein sicheres und gutes Miteinander auf den Almen braucht es Respekt vor den Tieren genauso wie vor dem Eigentum. Denn Tirols Almen sind im Sommer in erster Linie Wirtschaftsraum für die Landwirtschaft und Lebensraum für Weidetiere.

„Tirols Almen sind ein Kraftplatz für Mensch und Tier. Wir rechnen auch heuer wieder mit vielen BesucherInnen auf Tirols Almen“, ist LHStv Josef Geisler überzeugt. Das Zusammenleben auf der Alm und den Almfrieden gelte es durch ein besonders umsichtiges und rücksichtsvolles Verhalten zu erhalten. Das Weidevieh auf den Almen ist grundsätzlich gutmütig und friedlich. Begegnungen mit Hunden können Weidevieh jedoch beunruhigen und natürliche Schutzinstinkte wecken. Es entstehen mitunter gefährliche Situationen für Wanderer. Dies gilt besonders bei Kühen, die gemeinsam mit ihren Kälbern auf der Alm sind.
„Die Tiere sind in der Regel nicht aggressiv, sie wollen aber in Ruhe gelassen werden. Deshalb sollte man Abstand halten und keinesfalls den Kontakt suchen. Vorsicht ist vor allem dann geboten, wenn man einen Hund mitführt“, appelliert LHStv Geisler an alle AlmbesucherInnen. In den letzten Jahren haben sich in Tirol und anderen Bundesländern vereinzelt tragische Unfälle mit Weidevieh ereignet. Infolgedessen wurden in Tirol nicht nur eine umfangreiche Informationskampagne gestartet, sondern die Verhaltenspflichten auch im Almschutzgesetz verankert. Dort ist geregelt, dass sich BesucherInnen von Almen so zu verhalten haben, dass der Almbetrieb nicht beeinträchtigt und insbesondere das Weidevieh durch sie oder durch von ihnen mitgeführte Tiere nicht gestört, beunruhigt oder gereizt wird. Land Tirol, Landwirtschaftskammer, alpinen Vereine und Tirol Werbung haben bereits vor mehreren Jahren ein Leitsystem für ein sicheres Naturerlebnis auf den heimischen Almen ausgearbeitet. Das Leitsystem umfasst Warntafeln, die auf Weidebetrieb hinweisen. Es führt BergsportlerInnen dort, wo es möglich ist, mit ausreichend Abstand an jenen Bereichen vorbei, in denen eine Begegnung mit Weidevieh am wahrscheinlichsten ist. Das trägt zu mehr Sicherheit bei, egal ob zu Fuß, mit dem Mountainbike, mit oder ohne mitgeführten Hund.

Gesunder Genuss von der Alm – Schätze der alpinen Landwirtschaft

In Tirol übersiedeln jeden Sommer rund 200.000 Tiere von Stall und Heimweide auf die Alm. Mit rund 2.100 bewirtschafteten Almen ist Tirol das Almenland Nummer eins. Mit 100.000 Rindern ist rund die Hälfte des Tiroler Rinderbestands jährlich auf Sommerfrische – in Tirol haben wir mehr Milchkühe auf der Alm als in allen anderen Bundesländern gemeinsam. Die Tiere finden auf den über 120.000 Hektar Almflächen mehr als 100 unterschiedliche Gräser und Kräuter. Diese schmackhafte Vielfalt, die sie während der Sommerfrische genießen dürfen, überträgt sich auf die Inhaltsstoffe der Milch und auf das Fleisch der Tiere. Dazu kommen die andauernde Bewegung und erstklassiges Quellwasser.

Alm bürgt für Qualität

Die hohe Qualität und der Gesundheitswert der Almprodukte sind wissenschaftlich nachgewiesen. So beugt man durch den Genuss von Almkäse oder Almbutter mit einem hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren etwa Herz-Kreislauferkrankungen vor. „Almprodukte sind von besonderer Qualität. Diese Schätze der alpinen Landwirtschaft wollen wir in Zukunft noch stärker vor den Vorhang holen und damit auch die Wertschöpfung für die Almwirtschaft steigern“, kündigt LHStv Geisler in den nächsten Jahren einen Schwerpunkt der Agrarmarketing Tirol in Sachen Almkulinarik an. 40 Millionen Liter Almmilch werden jährlich auf Tirols Almen produziert. Das entspricht 75 Prozent der gesamten Österreichischen Almmilchmenge. Rund zehn Prozent davon werden direkt auf den Almen zu schmackhaften und gesunden Produkten verarbeitet. 60 Almkäsereien gibt es in Tirol. Der Rest wird im Tal zu Tiroler Almkäse und Almbutter verarbeitet. Während der Almsaison gibt es auch Trinkmilch in bester Almqualität. Fleisch vom Almrind, Grauvieh-Almochs, Berglamm oder Almschwein gibt es über die heimischen Qualitätsfleischprogramme auch im Handel.

Unverzichtbares Kulturgut

„Der Wert der Almwirtschaft in Tirol kann nicht hoch genug geschätzt werden. Die Almen sind ein über die Jahrhunderte geschaffenes Kulturgut. Wir müssen deshalb alles tun, um die Almwirtschaft zu erhalten und auf Dauer abzusichern“, bekräftigt LHStv Geisler. Zwei Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Tirol sind Almfläche. Die Bewirtschaftung der Almen ist wesentlich für unser Landschaftsbild und sie ist eine tragende Säule für den Tiroler Tourismus. Außerdem schützen bewirtschaftete Almen vor Naturgefahren wie Lawinen, sichern den Artenreichtum und bieten einen einzigartigen Erholungsraum für Bevölkerung und Gäste.

Verhaltensregeln

1. Kontakt zum Weidevieh vermeiden, Tiere nicht füttern, sicheren Abstand halten!
2. Ruhig verhalten, Weidevieh nicht erschrecken!
3. Mutterkühe beschützen ihre Kälber, Begegnung von Mutterkühen und Hunden vermeiden!
4. Hunde immer unter Kontrolle halten und an der kurzen Leine führen. Ist ein Angriff durch ein Weidetier abzusehen: Sofort ableinen!
5. Wanderwege auf Almen und Weiden nicht verlassen!
6. Wenn Weidevieh den Weg versperrt, mit möglichst großem Abstand umgehen!
7. Bei Herannahen von Weidevieh: Ruhig bleiben, nicht den Rücken zukehren, den Tieren ausweichen!
8. Schon bei ersten Anzeichen von Unruhe der Tiere Weidefläche zügig verlassen!
9. Zäune sind zu beachten! Falls es ein Tor gibt, dieses nutzen, danach wieder gut schließen und Weide zügig queren!
10. Begegnen Sie den hier arbeitenden Menschen, der Natur und den Tieren mit Respekt!
Weitere Informationen unter: www.bergwelt-miteinander.at www.sichere-almen.at

Letzte Ausgaben