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12. Dezember 2019

Naturraum Tirol schützen und erhalten

von Clemens Rosner
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„Schutzgebiete spiegeln die Vielfalt der Tiroler Natur wider“, betont LHStvin Ingrid Felipe.
Tirol ist über die Landesgrenzen hinaus für seine alpine Landschaft, artenreichen Almwiesen und vielen besonderen Tier- und Pflanzenarten bekannt.

Der Lebensraum dieser Naturgüter ist oft nur noch in den Alpen zu finden und daher besonders zu schützen. Das Land Tirol sichert die biologische Vielfalt, aber auch den Lebensraum bedrohter Tier- und Pflanzenarten durch unterschiedliche Schutzgebietsformen. Eine besondere Form der Unterschutzstellung ist das Prädikat „Natura 2000“.

Was ist Natura 2000?

Natura 2000 ist ein europäisches Schutzgebietsnetzwerk, zu dem alle Mitgliedstaaten der EU ihren Beitrag leisten müssen. Die Europäische Union verfolgt damit das Ziel, die Artenvielfalt durch Unterschutzstellung von charakteristischen, natürlichen Lebensräumen bestimmter wildlebender Tiere und Pflanzen zu sichern. Die rechtliche Grundlage dafür bilden die Habitat- und die Vogelschutzrichtlinie. Als Mitgliedstaat hat Österreich die Verpflichtung dafür zu sorgen, dass es in den Natura 2000-Gebieten zu keiner Verschlechterung für die dort vorkommende Flora und Fauna kommt. Um den günstigen Erhaltungszustand von Arten und Lebensräumen in diesen Gebieten zu erhalten oder wiederherzustellen, werden die notwendigen Maßnahmen in Bewirtschaftungsplänen festgelegt. Diese regeln die Nutzung, Pflege und naturschutzfachlich wünschenswerte Entwicklung des jeweiligen Schutzgebietes. So können zum Beispiel Bergmähwiesen nur durch eine traditionelle landwirtschaftliche Nutzung erhalten bleiben.

Wieso waren Nachnominierungen notwendig?

Die Nachnominierung von weiteren Gebieten wurde notwendig, weil nach Ansicht der Europäischen Kommission die von Österreich bis 2013 gemeldeten Flächen noch nicht alle Lebensräume und Arten der alpinen und kontinentalen Region ausreichend abbildeten. Im Sommer 2019 wurde nach Rückmeldung aller österreichischen Bundesländer das eingeleitete Vertragsverletzungsverfahren gegen Österreich beendet. Damit stehen zirka 15 Prozent der österreichischen Staatsfläche unter Schutz. Tirol hat mittlerweile 18 Natura 2000-Gebiete, wobei die Padeilemähder in Trins und die Talermähder am Leitnerberg im Gemeindegebiet von Obernberg nach dem Beschluss der Tiroler Landesregierung in der nächsten Beschlussrunde durch die Europäische Kommission in das EU-Netzwerk aufgenommen werden. „Die 18 Tiroler Natura 2000-Gebiete spiegeln nicht nur geografisch, sondern auch aufgrund der unterschiedlichen Schutzgüter die Vielfalt in der Tiroler Natur wider“, zeigt sich Naturschutzlandesrätin LHStvin Ingrid Felipe zufrieden.

Von Osttirol bis ins Außerfern

Die einzelnen Erhaltungsziele werden durch Verordnungen der Tiroler Landesregierung festgelegt, um so den betreffenden Lebensraum vor Einwirkungen zu schützen und die Vorkommen der geschützten Art zu bewahren. In Tirol sind dies unterschiedliche Tiere und Pflanzen, die damit rechtlich unter Schutz gestellt werden. Von der Deutschen Tamariske an den Gletscherbächen Osttirols über besondere Moorwälder im Außerfern, die unberührten alpinen Landschaf- ten im Ötztal oder das Refugium einer besonders seltenen Libellenart im Gemeindegebiet von Tarrenz. „Wir haben in Tirol viele Naturjuwele, die es auf lange Zeit zu schützen gilt. Neben den europarechtlichen Natura 2000-Gebieten haben wir einen Nationalpark, Naturschutzgebiete, Landschaftsschutzgebiete und Ruhegebiete, die den einzigartigen alpinen Lebensraum für Tiere und Pflanzen, aber auch für die Menschen bewahren“, betont die Naturschutzlandesrätin.

Natura 2000-Gebiete Alle 18 Natura 2000-Gebiete, das Jahr ihrer Nominierung und das Schutzgut:

1995
• Nationalpark Hohe Tauern: gemeinsam mit dem Kärntner und Salzburger Anteil das größte Schutzgebiet der Alpen
• Karwendel: größter Naturpark Österreichs
• Valsertal: vom Menschen geprägte alpine Kulturlandschaft
• Vilsalpsee: naturnaher Bergsee mit Moorwäldern
• Ruhegebiet Ötztaler Alpen: großflächig unberührte Landschaftsteile
2000
• Afrigal: Spirkenwälder
• Egelsee: seltene Schneideriedbestände am Seeufer
• Schwemm: einzigartiges Moorgebiet
• Lechtal: eindrucksvolle Wildflusslandschaft 2003
• Arzler Pitzeklamm: naturnahe, mystische Schlucht- und Hangwälder 2004
• Engelswand: steiler Lebensraum für seltene Felsbewohner
• Fließer Sonnenhänge: einzigartiger Trockenrasenkomplex
• Silz-Haiming-Stams: einziges Vorkommen des Ortolans in Tirol
2015
• Osttiroler Gletscherflüsse Isel, Schwarzach und Kalserbach: alpine Flüsse mit einzigartiger Ufervegetation
• Sinesbrunn: Lebensraum für eine besonders sensible Libellenart
• Tiefer-Wald: perfekte Bedingungen für den braungrünen Streifenfarn 2018
• *Padeile-Mähder Trins: ursprüngliche Bergmähwiesen 2019
• *Leitnerberg Obernberg: ursprüngliche Bergmähwiesen
 

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