07. Dezember 2022

„Leistung muss sich lohnen – egal, in welchem Alter!“

von Rainer Gerzabek/Robert Schwarz
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Landesrätin Astrid Mair
LRin Astrid Mair spricht im Interview mit der Tiroler Landeszeitung über die aktuellen Herausforderungen in ihren Ressorts Generationen, Arbeit, Sicherheit sowie Zivil- und Katastrophenschutz.

Tiroler Landeszeitung: Sie haben als Mitglied der Tiroler Landesregierung eine breitgefächerte Ressortzuständigkeit – von den Generationen über die Arbeit bis zur Sicherheit. Welche Schwerpunkte setzen Sie in Ihrer Arbeit?
LRin Mair: Auf den ersten Blick mag es vielleicht so wirken, als hätten die Ressorts nicht so viel miteinander zu tun – in Wahrheit ist aber das Gegenteil der Fall. Das Thema Sicherheit möchte ich viel breiter verstanden wissen, als rein der Zivil- und Katastrophenschutz, der ohne Zweifel in einem Gebirgsland wie Tirol extrem wichtig ist. Arbeit, Fachkräftemangel, Sicherheit für Lehrlinge, aber auch Unterstützung für Seniorinnen und Senioren – all das sind Bereiche, die untrennbar damit verbunden sind, ob man sich in einem Land sicher fühlt oder eben nicht. Und genau hier möchte ich mit meiner Arbeit ansetzen: Jugend und Familien bestmöglich unterstützen, die Lehre weiter fördern, Fachkräfte für den Arbeitsmarkt gewinnen und für Seniorinnen und Senioren Rahmenbedingungen schaffen, die es ermöglichen, dass sie sich mit ihrer Kompetenz und Erfahrung in den Arbeitsmarkt einbringen können. Leistung muss sich lohnen - egal in welchem Alter.

Tiroler Landeszeitung: Wir stehen kurz vor den Weihnachtsferien. Familien haben herausfordernde Krisenzeiten zu bewältigen, besonders auch finanziell. Inwieweit unterstützt das Land Tirol?
LRin Mair: Ein Bereich unserer vielfältigen Familien-Unterstützungen stellt beispielsweise die Schulkostenbeihilfe dar. Mein Tipp: Suchen Sie für die Schulkostenbeihilfe bereits Anfang 2023 an und nicht erst beim Schulstart im Herbst 2023. Die Schulkostenbeihilfe unterstützt einkommensschwache Familien durch einen Beitrag von 150 bis 200 Euro pro Kind und Förderjahr, abhängig von den jeweiligen Einkommensgrenzen, die kürzlich angehoben wurden, um noch mehr Menschen unterstützen zu können. Ansuchen für das neue Jahr sind bereits ab 1. Jänner 2023 möglich. Weitere Informationen sowie das Online-Formular zur Antragstellung finden Sie unter www.tirol.gv.at/schulkostenbeihilfe.

Tiroler Landeszeitung: Welchen Vorteil für Familien bringt die Einführung des digitalen Familienpasses, der im kommenden Jahr über die Land Tirol App verfügbar sein wird?
LRin Mair: Die Digitalisierung bringt den etablierten und bei unseren Familien sehr beliebten Familienpass im Jahr 2023 direkt auf das Handy. Die bereits aus dem Gutscheinheft bekannten Vergünstigungen stehen dann digital zur Verfügung. Das heißt: Keine Gutscheine mehr ausschneiden oder vergessen, da alle Gutscheine in der App verwaltet und beim Eintritt oder Kauf am Smartphone vorgewiesen bzw. gescannt werden. Natürlich wird auch der ‚Oma+Opa-Bonus‘ berücksichtigt, damit die Vorteile auch in Anspruch genommen werden können, wenn Großeltern gemeinsam mit den Enkelkindern etwas unternehmen.

Tiroler Landeszeitung: Der Fachkräftemangel ist derzeit so groß wie noch nie. Wie schaut die Arbeitsmarktsituation für Jugendliche aus?
LRin Mair: Tirol leidet – im Übrigen wie die gesamte Europäische Union – unter einem Fachkräftemangel. Das ist in vielen Branchen sichtbar. Das Land Tirol will mit einer Lehrlingsoffensive mehr junge Menschen für einen Lehrberuf begeistern. Unsere duale Lehrausbildung ist weit über die Grenzen hinaus bekannt und geschätzt. Das zeigt Tirols Lehrlingsnachwuchs auch immer wieder mit herausragenden Leistungen bei internationalen Fachkräftewettbewerben – wie erst kürzlich Florian Bliem aus dem Zillertal, der Weltmeister im Bewerb Sanitär- und Heizungstechnik geworden ist sowie Caroline Pale aus Jenbach, die eine Bronzemedaille als erste österreichische WM-Medaille aller Zeiten bei den ChemielabortechnikerInnen geholt hat. Mir ist es auch wichtig, dass unsere Jugendlichen gesund und optimistisch aus den aktuellen Krisen in ihre berufliche und private Zukunft finden – mit dem Rüstzeug einer sehr guten Qualifikation.

Tiroler Landeszeitung: Was könnte den jungen Menschen helfen, die derzeitigen Krisenzeiten besser zu bewältigen?
LRin Mair: Für Jugendliche ist besonders die Einbindung in ein soziales Gefüge wichtig. Hier kann die wertvolle Jugendarbeit von Organisationen wie der Freiwilligen Feuerwehr, Rettung, Schützen, Musikkapellen und -vereinen eine ortsnahe Einbindung in ein soziales Netz bieten und das Engagement für eine gemeinsame Sache als persönlich besonders bereichernd erlebt werden. Außerdem kann man nicht oft genug auf das Beratungsangebot hinweisen: Niemand muss durch schwierige Situationen alleine gehen. Es gibt unbürokratische, qualifizierte und umfassende Hilfe – speziell auch für unsere Jugendlichen.

Tiroler Landeszeitung: Als ausgebildete und jahrzehntelang tätige Polizistin ist das Thema Sicherheit ein für Sie gewohnter Bereich. Wie sehen Sie dieses Thema?
LRin Mair: Ich bin es aus meiner Arbeit als Polizistin gewohnt, klare und sachbezogene Informationen zu kommunizieren und sehr lösungsorientiert zu arbeiten. Gerade im Bereich Sicherheit ist mir das sehr wichtig. Ein Krieg mitten in Europa, eine Migrationswelle, die Teuerung und auch der Klimawandel - es gilt den Menschen auf allen Ebenen zu vermitteln, dass wir in einem sehr sicheren Land leben und uns den Herausforderungen stellen. In unserem Land wird niemand zurückgelassen. Deswegen können wir auch mit Mut und Zuversicht ins neue Jahr gehen.
 

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