07. Dezember 2022

Jeder Großparkplatz und jedes Dach muss ein Kraftwerk werden

von Christa Entstrasser
Beitrag teilen
LHStv Josef Geisler
Fast ein Fünftel der zukünftig in Tirol benötigten Energie soll aus Sonnenkraft kommen. Photovoltaik (PV) ist neben Wasserkraft, Umweltwärme und Biomasse der Energieträger der Zukunft.

„Es ist eine große Herausforderung, eine fossilfreie und gleichzeitig krisensichere Energieversorgung aus heimischen Quellen zu erreichen. Nur durch einen massiven Ausbau aller in Tirol verfügbaren und nachhaltig nutzbaren erneuerbaren Energieträger können wir uns aus der Abhängigkeit von Öl und Gas befreien und energieautonom werden. In den kommenden fünf Jahren wollen wir in Tirol alleine fünf Millionen Quadratmeter PV installieren“, erklärt Energielandesrat LHStv Josef Geisler. Nicht nur jedes geeignete Hausdach muss zur Sonnenstromproduktion genutzt werden. Rechnerisch braucht es in jeder Gemeinde zusätzlich zu den Dachanlagen weitere 13.000 Quadratmeter PV-Module. Vorzugsweise sollen diese auf großen, bereits versiegelten Flächen und nicht auf der grünen Wiese errichtet werden.
„Jeder Großparkplatz muss ein Kraftwerk werden“, so LHStv Geisler. Mehr als 3.400 Großparkplätze gibt es in Tirol. Rund drei der 5,6 Millionen Quadratmeter Parkflächen könnten mit PV-Modulen überdacht und zur Produktion von 283 Gigawattstunden Strom genutzt werden. Das entspricht dem durchschnittlichen Stromverbrauch von 81.000 Haushalten. Gleichzeitig ist das rund die Hälfte jener Strommenge, die Tirol zusätzlich zu PV-Anlagen auf Gebäuden noch auf Frei- bzw. eben bereits versiegelten oder minderwertigen Flächen produzieren muss, um seine Energie- und Klimaziele zu erreichen.
Hochwertige landwirtschaftliche Flächen sollen auch weiterhin in erster Linie der Lebensmittelproduktion dienen. Riesige Solarparks auf der grünen Wiese, kann sich LHStv Geisler nicht vorstellen: „Die Lebensmittelproduktion hat Vorrang vor der Energieproduktion.“

Studie Wasser Tirol „Photovoltaik- Freiflächenpotenzial in Tirol“ unter www.tirol.gv.at/energiestrategie


Der Sonne entgegen

Wer vorhat, sich kommendes Jahr eine PV-Anlage anzuschaffen, sollte in Bewegung kommen. Aufgrund der hohen Nachfrage kommt es derzeit sowohl in der Beratung, bei den ausführenden Firmen wie auch beim Material zu Wartezeiten und Engpässen. Denn der Zeitpunkt, um in eine PV-Anlage zu investieren, ist gut: Gestiegene Energiepreise machen die Eigenversorgung noch interessanter, die Einspeisetarife für nicht selbst benötigte Energie sind attraktiv und nicht zuletzt durch hohe Förderungen rechnen sich die Anlagen innerhalb von wenigen Jahren.
• Wohnhaussanierung des Landes Tirol
• Wohnbauförderung des Landes Tirol
• Klima- und Energiefonds
• OeMAG
• Teils Förderungen von Energieversorgern
• Teils Gemeindeförderungen
• Landeskulturfonds (für landwirtschaftliche Betriebe) Einen Überblick über sämtliche Fördermöglichkeiten und unabhängige Fachberatung unter www.energie-tirol.at.

Erneuerbare Energiegemeinschaften – gemeinsam statt einsam

Über Dächer und Grundstücksgrenzen hinweg Energie produzieren, speichern und verbrauchen – diese Möglichkeit bieten Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften (EEG). Privatpersonen, Gemeinden oder auch Betriebe können sich zusammenschließen und gemeinsam eine lokale oder regionale Energieversorgung auf Basis erneuerbarer Energieträger aufbauen. Durch die unterschiedliche Ausrichtung der Dächer kann so beispielsweise über den gesamten Tagesverlauf Sonnenenergie geerntet werden. Neben selbst produzierter Energie profitieren die Mitglieder einer EEG vom Entfall der Elektrizitätsabgabe, reduzierten Netztarifen und der dauerhaften Befreiung vom Erneuerbare-Förderbetrag. In Landeck, Westendorf (Bezirk Kitzbühel), Bach (Bezirk Reutte), Ischgl und Prutz (beide Bezirk Landeck) und Innsbruck gibt es bereits EEG.
Information und Beratung: Energie Tirol, Tel.: 0512 589913
 

Letzte Ausgaben