16. Mai 2022

Finanzielle Entlastungen im Kampf gegen die Teuerungswelle

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LH Günther Platter sichert der Tiroler Bevölkerung im Hinblick auf die derzeitige Teuerungswelle Unterstützung zu.
LH Günther Platter im Gespräch mit Bettina Sax, Tiroler Landeszeitung.

Herr Landeshauptmann, auch in Tirol ist die derzeitige Teuerungswelle – nicht zuletzt ausgelöst durch die kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ukraine – zu spüren.
Inwieweit können Sie der Tiroler Bevölkerung Unterstützung zusichern? An den Zapfsäulen, bei der Energie oder im Lebensmittelregal: Auch die Tirolerinnen und Tiroler sind derzeit von den Teuerungen betroffen. Diese gilt es abzufedern. Es ist Aufgabe der Politik, an verschiedenen Schrauben zu drehen, sodass den Menschen noch Geld zum Leben bleibt. Auch wenn der Staat oder das Land derartige Auswirkungen nicht zu 100 Prozent ausgleichen können, ist es dennoch ein Gebot der Stunde, zu handeln und den Menschen zu helfen. Denn es geht nicht nur darum, ob Menschen eine Arbeit haben, sondern vor allem darum, ob sie mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln auskommen. Ich kann versichern, dass wir uns mit allen Kräften dafür einsetzen, die Teuerungen abzufedern.
Was benötigt es jetzt?
Es braucht jetzt vereinte Kräfte – vom Bund über die Länder bis hin zu den Gemeinden – um die Tirolerinnen und Tiroler bestmöglich zu unterstützen. Im Hinblick auf Steuerentlastungen muss der Bund zu seiner Verantwortung stehen und der Bremsklotz „Kalte Progression“ abgeschafft werden. Denn auch wenn die Einkommen an die Inflation und damit an die aktuellen Entwicklungen angepasst werden, kann es nicht sein, dass diese durch höhere Steuern wieder aufgefressen werden. Auch auf Landesebene setzen wir verschiedene Hebel in Bewegung, die ebenfalls zu Entlastungen führen sollen.
Welche Förderungen und Unterstützungsleistungen wurden in Tirol initiiert?
Vor einigen Wochen haben wir den BezieherInnenkreis des Heizkostenzuschusses erweitert und einen neuen Energiekostenzuschuss eingeführt. Es handelt sich hierbei um einen einmaligen Zuschuss von bis zu 500 Euro für einkommensschwächere Haushalte, um deren Energiekosten decken zu können. Davon können in Tirol rund 45.000 Haushalte profitieren. Zudem haben wir kürzlich die Mietzinsbeihilfe erweitert, sodass auch in Sachen Wohnen mehr Menschen von Unterstützungsleistungen des Landes profitieren. Denn gerade die hohen Wohnkosten sind in Tirol eine große Herausforderung. Die Mieten übersteigen die finanziellen Möglichkeiten vieler Menschen und auch die Schaffung eines Eigenheims ist für viele kaum zu stemmen. Daher wurde auch die Wohnbauförderung erweitert und dabei ein spezieller Fokus auf junge Menschen bzw. Familien gelegt, sodass sie die Möglichkeit haben, sich durch geförderten Wohnbau etwas Eigenes aufzubauen. Denn es ist nicht der Sinn arbeiten zu gehen, nur um über die Runden zu kommen.
Wie wird sich die Situation in Tirol weiter entwickeln?
Im Hinblick auf die wirtschaftliche Situation gehen Expertinnen und Experten davon aus, dass die derzeitige Situation weiterhin angespannt bleiben wird. Aktuell erleben wir eine massive Steigerung der Energienachfrage. Dies führt zu einem deutlichen Anstieg der Preise, die sich bereits vor Ausbruch der Ukraine-Krise auf einem sehr hohen Niveau befanden. Gesteigerte Energiepreise führen dazu, dass die Teuerung in weitere Bereiche des täglichen Lebens übergreift. Energie ist schließlich ein wesentlicher Produktionsfaktor für Unternehmen – allen voran für die Industrie und das produzierende Gewerbe. Das hat Auswirkungen auf die heimischen Betriebe, deren Produktionskosten und letztlich auch auf Privatpersonen. Eine exakte Prognose, wie sich die weltweite Situation weiter entwickeln wird, ist nur schwer möglich. Umso wichtiger ist es, dass auf Entwicklungen rasch reagiert wird.
Wie bereitet sich Tirol dennoch auf die kommende Zeit vor?
Wir nehmen die Sorgen und Ängste der Tirolerinnen und Tiroler sehr ernst. Das Land Tirol befindet sich in kontinuierlichem Austausch mit den Sozialpartnern, um bestmöglich auf künftige Herausforderungen in Tirol – Stichworte Teuerung, Arbeitsmarkt und wirtschaftliche Lage – vorbereitet zu sein. Hier beraten Vertreterinnen und Vertreter des Landes Tirol, der Wirtschafts- und Arbeiterkammer Tirol, Industriellenvereinigung Tirol, AMS Tirol, der Landwirtschaftskammer Tirol, dem ÖGB Tirol und der Bildungsdirektion Tirol.
Reichen die derzeitigen Maßnahmen aus?
Österreich und Tirol müssen den internationalen Vergleich in Sachen Hilfen und Förderungen nicht scheuen. Wir müssen aber sicher an weiteren Schrauben drehen, sodass die Unterstützung tatsächlich dort ankommt, wo sie benötigt wird: Bei den Tirolerinnen und Tirolern. Wir beobachten die Entwicklungen ganz genau, um entsprechende Maßnahmen setzen zu können. Dabei ist es auch wesentlich, auf die zahlreichen Unterstützungen des Bundes zur Entlastung der Bevölkerung zu verweisen. Gleichzeitig setzt das Land Tirol seit jeher auf ein umfassendes Förderkonzept für Familien oder Klein- und Mittelunternehmen sowie zahlreiche Unterstützungsleistungen im Sozialbereich. Die Menschen in Tirol können sich auf ein starkes Sozialnetz verlassen, das Hilfe bietet, wenn sie benötigt wird.

Übersicht Förderungen und Entlastungsmaßnahmen

Von Familienförderungen über jene für Klein- und Mittelunternehmen bis hin zum Heizkosten- und Energiekostenzuschuss des Landes: Auf Bundes- und Landesebene gibt es verschiedene Förderungen, die nicht nur in Krisenzeiten dafür da sind, die Menschen bei der Deckung ihrer Lebenshaltungskosten zu unterstützen. Eine Übersicht verschiedener Förderungen und finanziellen Entlastungsmöglichkeiten finden Sie unter www.tirol.gv.at/entlastung 
 

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