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09. Oktober 2019

„Die Schattenkaiserin“ – ein buntes Gemälde aus der Zeit Kaiser Maximilians I.

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Ende September startet die neue Spielzeit des Tiroler Landestheaters mit einem Beitrag zum Maximilianjahr 2019. Im Vordergrund steht dabei die tragische Geschichte der zweiten Ehefrau des Kaisers, Bianca Maria Sforza.

Montag, 10 Uhr, ein heißer Tag Ende Juni: In einem großen Probesaal des Tiroler Landestheaters herrscht reges Treiben und eine Stimmung wie zu Beginn eines Ferienlagers. Freudige Begrüßungen, herzliche Umarmungen, am Rand stehen zwei Tänzer und üben Figuren. Die Hauptbühne steht als Modell auf einem Tisch, die letzten Miniaturen werden noch eingesetzt. Im Hintergrund Kostümskizzen und Zeichnungen der Bühnenbilder, davor ein Kreis mit vielen Stühlen. Weiter hinten im Raum steht ein Bett mit goldenem Seidenbezug und zahlreichen Kissen aus Samt. Willkommen zum Konzeptionsgespräch zu „Die Schattenkaiserin“, ein Historienmusical, das am 28. September Premiere feiert.
Intendant und Regisseur Johannes Reitmeier betritt den Saal und begrüßt reihum das Ensemble. Schauspieler- Innen, SängerInnen und TänzerInnen sowie zahlreiche MitarbeiterInnen nehmen im Stuhlkreis Platz – es wird ruhig. Reitmeier erläutert den Hintergrund zum Musical, das im Rahmen des Maximilianjahres produziert wird. „Wir zeigen eine Seite Maximilians, die bisher nicht in dieser Form behandelt worden ist und die wir so auch nicht kennen. Denn es geht im Stück vor allem um seine zweite Ehefrau, Bianca Maria Sforza. Diese Frau hat er nicht geliebt und das hat er sie auch spüren lassen – sie war für ihn ein reines Politikum und im Grunde heiratete er sie nur aufgrund ihrer äußerst hohen Mitgift, die heute rund 50 Millionen Euro umfassen würde.“ Im Stück fungiert Maximilian aber keineswegs als „Bösewicht“ – er wird als Mensch porträtiert, der den Tod seiner ersten Frau, Maria von Burgund, Zeit seines Lebens betrauerte.

Das traurige Leben einer Kaiserin

Bianca Maria Sforza wurde 1472 in Mailand geboren. Durch Vermittlung ihres Onkels Ludovico, der im Gegenzug den Herzogtitel erhielt, ging sie die Ehe mit Kaiser Maximilian I. ein: Am 30. November 1493 wurde sie in Abwesenheit des Bräutigams im Rahmen einer Stellvertreterhochzeit in Mailand mit dem Habsburger vermählt. Daraufhin reiste sie mitsamt ihrer Mitgift und großem Geleit über Bormio nach Innsbruck – eine Reise, die aufgrund schwerer Schneestürme äußerst gefährlich und mühevoll war. In der heutigen Landeshauptstadt angekommen, wurde sie von den Innsbrucker Adeligen und der Bevölkerung wohlwollend und freundlich aufgenommen, allein ihr Gemahl ließ ganze drei Monate auf sich warten. Die Ehe wurde deshalb erst im März 1494 in Hall vollzogen.
Den beiden war von Anfang an keine gute Partnerschaft beschieden: Maximilian hielt Bianca für ungebildet und naiv und sie schaffte es nicht, seineZuneigung zu gewinnen. Nachdem sie mehrere Fehlgeburten erlitten hatte, erlosch das Interesse Maximilians an ihr endgültig. Und so nahm sie auch nicht an der Proklamation Maximilians zum „Erwählten Kaiser“ am 4. Februar 1508 in Trient teil. Zwei Jahre später starb sie krank und einsam in Innsbruck. Maximilian, damals in der Schweiz, blieb ihrem Begräbnis fern und widmete ihr später nicht einmal einen Grabstein. Bianca Maria fand in der Fürstengruft des Zisterzienserstifts in Stams ihre letzte Ruhestätte.
Susanne Felicitas Wolf konzipierte das Porträt der jungen Frau unter Verwendung von Motiven des Tiroler Erfolgsautors Bernhard Aichner und verfasste das Libretto. Die Komposition stammt von Jürgen Tauber und Oliver Ostermann. Hansjörg Sofka ist Musikalischer Leiter, für die Choreografie zeichnet Randy Diamond verantwortlich. Bühne und die über 400 historisch gestalteten Kostüme stammen von Michael D. Zimmermann, Musikdramaturgin ist Susanne Bieler. www.landestheater.at/produktion/ die-schattenkaiserin

Vorhang auf!

„Die neue Saison am Tiroler Landestheater beginnt – und damit auch die Magie des Schauspiels, des Tanzes und der Musik. Unter der Intendanz von Johannes Reitmeier und der kaufmännischen Leitung von Markus Lutz hat sich das Tiroler Landestheater zu einem kulturellen Aushängeschild unseres Landes mit überregionaler Strahlkraft entwickelt und darauf bin ich sehr stolz. Auch in der kommenden Saison überzeugt das Tiroler Landestheater mit hervorragenden künstlerischen Leistungen, einer abwechslungsreichen Spielplangestaltung sowie einem umfassenden musik- und theaterpädagogischen Angebot. Den Auftakt macht ‚Die Schattenkaiserin‘, ein Stück, das von Land Tirol und der Stadt Innsbruck im Rahmen des Maximilianjahres in Auftrag gegeben wurde. Entstanden ist eine spannende Auseinandersetzung mit der Biographie von Bianca Maria Sforza und ihrer leidvollen Beziehung zu ihrem Gatten Kaiser Maximilian I. Mir ist es wichtig, dass im Jubiläumsjahr rund um den Todestag des Habsburgerkaisers auch Seiten von ihm aufgezeigt werden, die nicht so positiv sind. Kaiser Maximilian war ein Machtmensch und er handelte stets mit Kalkül – dieser Aspekt wird im Musical gut herausgearbeitet. Doch nicht nur in ‚Die Schattenkaiserin‘ erleben wir das große Können sämtlicher Beteiligten: Zeitgemäße Theaterstücke, Klassiker der Musikgeschichte, tragische Opern oder mitreißendes Tanztheater werden das Publikum auch in der Spielsaison 2019/20 begeistern. Mein Dank gilt allen, die mit großem Engagement das Tiroler Landestheater zum Leben erwecken und das Publikum immer wieder aufs Neue begeistern. Ich wünsche viel Erfolg und toi, toi, toi!“
Beate Palfrader Kulturlandesrätin
 

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