07. Dezember 2022

Vielfalt prägt den Weg zur Mobilitätswende

von Lea Knabl
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LH René Zumtobel
Öffi-Fahren liegt voll im Trend, die Zahl der RadfahrerInnen steigt und eCarsharing, Dorftaxis oder Fahrgemeinschaften tragen zur Mobilitätswende bei. Neue Konzepte sind auch weiterhin notwendig, um Tirol bei der Mobilitätswende voranzubringen.

Den öffentlichen Verkehr weiter ausbauen und die Taktungen verbessern – das sind nur zwei von vielen Zielen, die im Regierungsprogramm der der im Oktober angelobten Landesregierung in Sachen öffentlicher Nahverkehr zu finden sind. „Vieles wurde bereits erfolgreich umgesetzt oder begonnen. Es gibt aber auch noch viel zu tun“, ist Mobilitätslandesrat René Zumtobel überzeugt. Als ehemaliger „Bahneler“ verfügt der Landesrat über breites Wissen im öffentlichen Verkehr und kennt das enorme Potenzial wie auch die Herausforderungen. „In Tirol gibt es so viele Öffi-Pendlerinnen und -Pendler wie nie zuvor und es werden immer mehr. Das freut mich. Gleichzeitig haben wir noch Luft nach oben, insbesondere für jene, die – wie ich – in abgelegeneren Orten leben, müssen noch mehr Möglichkeiten für die sogenannte ‚letzte Meile‘, also dem Weg zwischen dem Zuhause und dem nächstgelegenen Öffi-Knotenpunkt, geschaffen werden“, ist der Landesrat überzeugt. Aktuell wird etwa das On-Demand Service Regioflink des VVT als Pilotprojekt in der Gemeinde Wattens getestet. Der kleine Bus kann kurzfristig per App angefordert werden und fährt nur dann und dort, wo er gebraucht wird.

Mobilität ganzheitlich denken

LR Zumtobel ist überzeugter Optimist. Dennoch weiß der im Pitztal lebende Verkehrslandesrat gut, dass ein Umstieg auf Öffis nicht in jeder Situation möglich ist: „Es gibt auch Orte in Tirol, die aufgrund der Lage und Bevölkerungsanzahl nicht im Halbstundentakt bedient werden können und es gibt Menschen, deren Arbeitszeiten oder -wege nur schwer mit dem Öffi-Fahrplan vereinbar sind. Trotzdem glaube ich, dass jede und jeder einen wichtigen Beitrag leisten kann, indem man über zukunftsfähige Alternativen wie ein E-Auto nachdenkt und zumindest immer dann, wenn es möglich ist, aufs Auto verzichtet. Auch Fahrgemeinschaften können einen Beitrag leisten: In den meisten Autos sitzt in Tirol nur eine Person. Würden immer zumindest zwei Personen in einem PKW sitzen, wäre der private PKW-Verkehr bereits halbiert.“
Mobilität und Verkehr sind auch wichtige Säulen von tirol 2050 energieautonom und der Tiroler Nachhaltigkeits- und Klimastrategie. Unter den Schlagworten „vermeiden, verlagern, verbessern“ werden zahlreiche Schritte gesetzt, um die Mobilitätswende in Tirol herbeizuführen. 

Gemeinsam sicher nach Hause

„Ich gehe jetzt heim.“ Dieser Satz hat – insbesondere bei jungen Menschen, die abseits von Innsbruck zuhause sind – früher oft für große Unsicherheit gesorgt. Nach einem gemeinsamen Abend mit FreundInnen stand man dann oft alleine da – der nächste Bus oder Zug fuhr manches Mal erst in mehreren Stunden. Mittlerweile wurde die Nacht-S-Bahn in ganz Tirol ausgebaut und die Taktung verbessert. Seit Juli 2021 fahren in den Nächten von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag zudem alle Nightliner-Linien, S-Bahnen und Regiobusse regelmäßig zur gleichen Uhrzeit am Innsbrucker Hauptbahnhof ab. Egal ob Richtung Ober- oder Unterland, Mittelgebirge oder im nahen Umfeld von Innsbruck – Gruppen können nun also unabhängig von ihrem Fahrtziel gemeinsam zum Innsbrucker Hauptbahnhof aufbrechen. Dieses Projekt wurde als vorbildliches Projekt beim VCÖ Mobilitätspreis Tirol 2022 prämiert.

# Entlastung

Im Rahmen der Maßnahmen gegen die Teuerung wurde eine Öffi-Ticket-Schnupperaktion ins Leben gerufen. Noch bis 31. Dezember 2022 können Monatskarten für ganz Tirol oder eine Region um bis zu 58 Prozent günstiger gekauft werden. „Bisher haben dieses Angebot schon rund 11.000 Personen genutzt – eine tolle Möglichkeit auch für all jene, die noch nicht sicher wissen, ob der Umstieg auf Öffis auch dauerhaft etwas für sie ist“, freut sich LR Zumtobel.
Zudem wird es trotz der allgemeinen Teuerung keine Preisanpassung für das Jahr 2023 und damit keine Erhöhung der Ticketpreise im Öffi-Verkehr in Tirol geben. Die Preise für StammkundInnen werden sogar um zehn Prozent gesenkt. Weitere Infos unter www.vvt.at

Und Sie, Herr Landesrat? Wie ist der Mobilitätslandesrat im Alltag unterwegs? Die Tiroler Landeszeitung hat nachgefragt.

In meiner Freizeit…
… bin ich viel zu Fuß unterwegs. Ich gehe gerne wandern und genieße die Naturvielfalt in Tirol.
Zur Arbeit…
… muss ich leider meistens mit dem PKW fahren. Mein enger Terminkalender und viele Abendveranstaltungen lassen die Fahrt mit den Öffis nicht immer zu. Wenn es geht – insbesondere in der Früh – versuche ich aber den Zug zu nehmen.
In Innsbruck…
… fahre ich so oft es geht mit dem Rad zu Terminen oder gehe zu Fuß. Das entschleunigt vom stressigen Büroalltag.
Auf Dienstreisen…
… und auch im Urlaub bevorzuge ich – wie könnte es anders sein – die Bahn. 
 

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