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05. August 2020

Die Stimme der Kinder und Jugendlichen

von Maximilian Oswald
Zwei Jahre auf über 100 Seiten: Kinder- und Jugendanwältin Elisabeth Harasser legt ihren<br/>Tätigkeitsbericht vor.
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Zwei Jahre auf über 100 Seiten: Kinder- und Jugendanwältin Elisabeth Harasser legt ihren
Tätigkeitsbericht vor.
Elisabeth Harasser steht mit ihrem Team jenen bei, die aufgrund ihres Alters oft besonders verletzlich sind. Anlässlich der Präsentation ihres Tätigkeitsberichts für die vergangenen zwei Jahre im Juli-Landtag gibt die Kinder- und Jugendanwältin Einblick in ihre Arbeit.

Kurz zusammengefasst – was ist die Kinder- und Jugendanwaltschaft (Kija)?

Zum einen sind wir als unabhängige Ombudseinrichtung in erster Linie Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche, aber auch deren Eltern und für Erwachsene im Generellen. Zum anderen sind wir auch sehr aktiv in der Präventionsarbeit und gesellschaftlichen Bewusstseinsbildung – Stichwort „Kinderrechte“.

Worin lagen die Schwerpunkte der Kija- Arbeit in den Jahren 2018/19?

Gewaltschutz war und ist – leider – nach wie vor ein Kernthema. Die vermeintlich „G’sunde Watschn“ ist noch immer verbreitet. Außerdem beobachten wir eine Zunahme von psychischer Gewalt, einhergehend mit einer Verrohung der Sprache. In beiden Fällen werden die Rechte der Kinder und Jugendlichen verletzt – hier gibt es keine Kavaliersdelikte, denn die Folgen für die Betroffenen können gravierend sein.
Ein weiterer Fokus lag speziell auf dem schulischen Bereich: Mobbing, aber auch verbaler Druck durch Lehrpersonen kann zu einer großen Belastung für die Kinder und Jugendlichen werden. Hier ist es wichtig, durch Besuche vor Ort über unsere Hilfsangebote zu informieren, aber auch seitens der Pädagoginnen und Pädagogen mehr Bewusstsein für die Rechte der ihnen Anvertrauten zu schaffen.

Was ist aus Sicht der Kija in Hinblick auf diesen Sommer besonders notwendig?

Nach den einschneidenden Maßnahmen der letzten Wochen müssen „normale“ Ferienaktivitäten wieder möglich sein. Kinder und Jugendliche sollen – unter Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen – wieder mit Gleichaltrigen, mit Freundinnen und Freunden in Kontakt kommen. Dabei kann und wird es etwa im Hof vielleicht auch einmal etwas lauter werden. Dafür müssen wir als Erwachsene jedenfalls Verständnis haben. Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Spiel und Erholung – als Kija sind wir hier oft Vermittler.
 

Wissenswert  

• In den Jahren 2018/19 gab es über 9.150 Beratungskontakte.
• Der Großteil der Betroffenen war zwischen elf und 18 Jahren alt.
• 145 Schulen und 37 Kindergärten wurden vom Kija-Team besucht, somit konnten rund 8.350 Kinder und Jugendliche erreicht werden.
• 577 PädagogInnen wurden zum Thema „Häusliche Gewalt – Kinder als Opfer und Zeugen“ geschult. 
 

Recht auf Sicherheit

Kindern darf keine Gewalt widerfahren – das würde wohl jede und jeder sofort unterschreiben. Doch die gelebte Realität zeigt, dass vielen Minderjährigen nach wie vor auch im sicheren und wohlhabenden Tirol physisch wie psychisch Gewalt angetan wird. Umso wichtiger ist hier die Arbeit des Kinder- und Jugendanwaltschaft-Teams. Seit 25 Jahren sind die MitarbeiterInnen vertrauliche Ansprechpartner, Interessensvertreter und Bewusstseinsbildner. In unzähligen Fällen konnte so den Jüngsten zu ihrem Recht und mehr Sicherheit verholfen werden. Allen, die in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten daran mitgearbeitet haben, möchte ich an dieser Stelle von Herzen „Danke!“ sagen.
Sonja Ledl-Rossmann, Landtagspräsidentin
 

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