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05. Dezember 2018

Die Lebensadern des ländlichen Raums – Straßen und Wege abseits der Hauptverkehrsrouten

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Eine zeitgemäße Verkehrsanbindung wie hier in Außervillgraten hält den ländlichen Raum als Lebens- und Wirtschaftsraum attraktiv.
Eine zeitgemäße Verkehrsinfrastruktur ist die Voraussetzung für das Leben und Wirtschaften im ländlichen Raum. Die Landesregierung setzt deshalb einen Schwerpunkt auf das ländliche Wegenetz.

Eine zeitgemäße Verkehrsinfrastruktur ist die Voraussetzung für das Leben und Wirtschaften im ländlichen Raum. Die Landesregierung setzt deshalb einen Schwerpunkt auf das ländliche Wegenetz.

Als schmale Straße mit engen, steilen Kehren, fehlenden Leitschienen und ungeeignet für größere und schwerere Fahrzeuge – so präsentierte sich die vor 50 Jahren errichtete Erschließungsstraße Hinterunterwalden in Außervillgraten. Seit mittlerweile zwei Jahren haben die 175 BewohnerInnen, 26 Häuser, 16 Bauernhöfe sowie fünf Wirtschaftsbetriebe eine zeitgemäße Zufahrt. Und entlang der generalsanierten Straße wird seitdem kräftig investiert.

Basiserschließung für Viele
Noch im Laufen ist die Generalsanierung der Straße Hinterer Trojer in der Gemeinde Thiersee. Durch diese Straße werden fünf landwirtschaftliche Betriebe, eine Siedlung mit 15 Wohnhäusern sowie zwei Jausenstationen erschlossen. Außerdem wird der Weg touristisch als Rad- und Wanderweg genutzt. Die Bewirtschaftung von 80 Hektar landwirtschaftlichen Flächen und 300 Hektar Wald wird durch die zeitgemäße Basiserschließung erleichtert und abgesichert.

Investition in zeitgemäße Verbindungen
Beispiele wie diese in Osttirol oder im Bezirk Kufstein gibt es landauf und landab. Die Verkehrsanbindung eines Fünftels der Tiroler Bevölkerung außerhalb der Landeshauptstadt Innsbruck erfolgt über das ländliche Wegenetz mit seinen Gemeinde-, Interessentschafts- und Privatstraßen. „Nur wenn die Kinder sicher in Schule und Kindergarten gebracht werden können, der Arbeitsplatz ganzjährig gut erreichbar ist und Gäste wie Erholungssuchenden gefahrlos in die Täler kommen, bleiben die ländlichen Regionen für die Bevölkerung als Lebens- und Wirtschaftsraum attraktiv“, ist LHStv Josef Geisler überzeugt.

Landesregierung setzt Schwerpunkt
Doch viele dieser wichtigen Straßen, die den ländlichen Raum an das höherrangige Straßennetz anbinden, sind in die Jahre gekommen und entsprechen nicht mehr den heutigen Anforderungen. „Gemeinsam mit den Wegerhaltern wollen wir hier seitens des Landes in den nächsten Jahren verstärkt investieren. Denn die Besiedelung und Lebensqualität im ländlichen Raum sind der Tiroler Landesregierung ein großes Anliegen“, so LHStv Geisler. Was früher ein Weg zu einem einzelnen Bauernhof war, ist heute vielfach eine Erschließungsstraße für ganze Siedlungen sowie Zufahrt zu Gewerbebetrieben oder Tourismuseinrichtungen. „Die ländlichen Straßen und Wege haben vielfältige Funktionen“, erklärt LHStv Geisler. Damit hat sich nicht nur die Frequenz auf diesen Straßenverbindungen vervielfacht, verändert haben sich auch die Anforderungen an die Verkehrssicherheit und die Tonnagen. In vielen Fällen entsprechen Trasse, Breite, Kurvenradien und Tragfähigkeit nicht mehr dem Stand der Technik.

Anschluss an die Datenautobahn
Im Zuge der Sanierung von ländlichen Straßen werden zumeist auch Glasfaserleitungen für ultraschnelles Internet mitverlegt. „Damit binden wir auch die entlegeneren Ortsteile über das ländlichen Wegenetz an die Datenautobahn an“, zeigt LHStv Josef Geisler einen weiteren Zusatznutzen auf. Und wie sich am Beispiel Hinterunterwalden in Außervillgraten zeigt, sind auch die regionalwirtschaftlichen Effekte nicht zu vernachlässigen. Eine sichere Zufahrt regt zum Investieren an. In Außervillgraten sind sogar neue, dezentrale Arbeitsplätze entstanden.

Autorin: Christa Entstrasser-Müller 


Das niederrangige Straßennetz in Tirol
Von Februar 2014 bis April 2016 hat das Land Tirol im Projekt StETiG gemeinsam mit den Gemeinden eine Erhebung des niederrangigen Straßennetzes im Dauersiedlungsraum durchgeführt. Dabei wurden die Straßen nach ihrer Bedeutung für den Verkehr klassifiziert sowie die Straßenkategorie festgestellt und die Zuständigkeit für die bauliche Erhaltung definiert.

Die wichtigsten Ergebnisse:
• 13.150 km niederrangiges Straßennetz gesamt (ohne Innsbruck)
• 8.500 km Straßen und Wege (ohne Rad- und Wirtschaftswege, Forststraßen, Autobahnen, Landesstraßen B und L) im Dauersiedlungsraum
• davon rund 3.700 km Straßennetz zur Feinerschließung des ländlichen Dauersiedlungsraumes
• 4.650 km Rad-, Fuß und Wirtschaftswege, die keine dauerhaft bewohnten Objekte erschließen
 

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