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18. März 2020

„Daheimbleiben – aus Solidarität gegenüber den Schwächeren in unserer Gesellschaft!“

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Univ.-Prof. Drin Cornelia Lass-Flörl, Direktorin des Instituts für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie an der Medizinischen Universität Innsbruck, gibt Antworten auf wichtige Fragen.

Warum war Tirol das erste Bundesland, das so drastische Maßnahmen gesetzt hat?
Wir haben in Tirol eine ganz besondere Situation: Einerseits sind wir das Bundesland mit sehr hohen Fallzahlen, andererseits haben wir sogenannte Cluster: Das bedeutet, wir haben Nester, aus denen sich das Virus sehr leicht verbreitet. Von dort aus kam es zu einer sehr hohen Anzahl von Übertragungen und wir beobachten dadurch eine unübliche Häufung von Erkrankten an einem Ort.
Ist die Verkehrsbeschränkung, die am Sonntag, den 15. März, vorerst für eine Woche verordnet wurde, aus Ihrer fachlichen Sicht gerechtfertigt?
Kurz gesagt: Je strikter wir unsere sozialen Kontakte einschränken, desto erfolgreicher werden wir im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus sein. Je erfolgreicher wir im Kampf gegen die Ausbreitung sind, desto leichter werden wir auch die Fälle im Krankenhaus im Griff haben. Aus infektiologischer und hygienischer Sicht gibt es eigentlich nur die Möglichkeit, das soziale Leben auf ein absolutes Minimum zu beschränken – damit wird eine Weiterverbreitung des Virus und die Erkrankung einer großen Anzahl von Menschen verhindert und das Gesundheitssystem nicht überlastet. Ziel ist es, Ärztinnen und Ärzte, Schwestern und Pflegerinnen und Pfleger möglichst lange bereitzuhalten und letztendlich den Anteil jener Patientinnen und Patienten, die schwerer erkranken, sehr gering zu halten.
Für wen ist das Coronavirus besonders gefährlich?
Wir wollen die Verbreitung eindämmen, um einerseits besonders sensible Gruppen wie Menschen ab 65 Jahren oder Personen mit Grunderkrankungen zu schützen. Ziel ist andererseits, das Gesundheitssystem nicht mit sehr vielen gleichzeitig Erkrankten zu überlasten. 80 Prozent der Personen mit einem positiven Corona-Befund weisen einen milden Verlauf auf – sie haben leichte bis gar keine Symptome. Ihnen obliegt aber auch eine große Verantwortung. Daher mein wiederholter Appell: Halten Sie sich an die Verkehrsbeschränkung, bleiben Sie zu Hause – aus Solidarität gegenüber den Schwächeren in unserer Gesellschaft!
Wie lautet Ihre Prognose?
Wenn wir die drastischen Maßnahmen umsetzen, gehen wir davon aus, dass wir die Neuinfektionen in den nächsten vier bis fünf Wochen wahrscheinlich um die Hälfte reduzieren können. Daher ist das, was man tut, wichtig.
 

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